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Autor Thema: Portobello Market  (Gelesen 1363 mal)

Offline Ebi

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Portobello Market
« am: 02. März 2016, 19:47:33 »
Auch wenn man sich schon lange mit Brettspielen beschäftigt und zwangsläufig immer anspruchsvoller wird, kann man ab und zu doch noch völlig überrascht werden. Mir ging es so bei Portobello Market von Thomas Odenhoven, auf dass ich stieß, als ich nach weiteren Werken des Illustrators Michael Menzel suchte, der auch Die Säulen der Erde und Die Tore der Welt illustriert hat. Der Menzel-typische Design-Stil gefiel mir natürlich auch wieder gut, aber die einfachen Regeln und die mit "kurz" angegebene Spieldauer überzeugten mich zuzuschlagen.

Was ist in der Schachtel?
-  1 detaillierter Din A2 Spielplan (2-fach gefaltet) mit dem Portobello Market Stadtviertel Londons
-  je 30 rote und gelbe Marktstände
-  20 grüne Marktstände
-  16 blaue Marktstände
-  1 blaue Bobby Figur
-  5 graue Kundenfiguren (Gesellen)
-  5 rosa Kundenfiguren (Bürger)
-  1 schwarze Kundenfigur (Lord)
-  vier kleine Spieler-Tableaus in den Farben rot, gelb, grün und blau
-  je 1 Aktionsmarker 2, 3, 4 in den Spielerfarben
-  je 1 Zählstein in den Spielefarben
-  1 Leinenbeutel
-  1 buntfarbig gedruckte Anleitung

Die Figuren sind dabei alle aus Holz, wobei die Farben bis auf blau die üblichen bei deutschen Brettspielen üblichen sind. Das Blau ist dunkler als man es bspw. aus Siedler kennt. Ich hätte mir ja noch Markisenstreifen auf den Ständen gewünscht, aber das sprengt den Rahmen. Die Marker sind aus stabiler, dicker Pappe gefertigt und lassen sich gut greifen.
Was fehlt, ist ein Startspieler-Plättchen (man muss am Spielende noch wissen, wer angefangen hat) und optional ein Anzeiger-Plättchen dafür, dass ein Spieler beim Zählen einmal rund ist (also die Null überschreitet), was im Spiel zu zweit evtl. mehrmals passiert.

Damit sind wir schon beim Spielziel. Es geht um Punkte und die werden branchenüblich am Außenrand des Spielfelds (0-130) gezählt. Gewonnen hat natürlich der/ (beim Spiel mit Ewjena natürlich häufigst) die mit den meisten Punkten. Erreicht hat man diesen Endstand, sobald ein Spieler seinen letzten Marktstand gesetzt hat. Dann wird die Runde noch zu Ende gespielt (bis zum Startspieler, exklusive) und die letzten Punkte werden gezählt. That's it. Und ja, tatsächlich, man schafft das mit vier Spielern in rund 40 kurz empfundenen Minuten.

Der Spielaufbau geht fix.
Spielplan auslegen, graue und rosa Kunden in den Beutel, die Spielertableuas und Aktionsmarker den Spielern austeilen, welche letztere mit der aktiven, weißen Seite unten an die Ausbuchtungen ersterer anlegen. Die  grüngrauen Ersatz-Aktionsmarker kommen mit der hellen Seite nach unten an den Spielfeldrand. Dann noch die Marktstände verteilen (bei zwei Spielern jeweils dreißig rote und gelbe, bei drei Spielern je 20 rote, gelbe und grüne, und bei vier Spielern je 16), den Spieler rechts neben dem Startspiele den Bobby auf einen Distrikt setzen lassen und los geht's. Im Spiel zu zweit ist man dann auf die Farben rot und gelb fest gelegt, aber das kann man verschmerzen. Sonst wäre das Spiel teurer.

Was passiert dann?
Ist ein Spieler am Zug, hat er genau drei Möglichkeiten. Als erstes wählt er einen seiner noch aktiven Aktionsmarker (am Anfang sind noch alle drei aktiv), dreht ihn um und zeigt damit an, wie viele Aktionen er in diesem Zug machen möchte. Wählt er/sie die dritte Möglichkeit und setzt eben diesen Aktionsmarker für eine Distrikt-Wertung ein, so ist das seine/ihre einzige Aktion in diesem Zug. Anfangs aber wird eher die erste Möglichkeit gewählt, und zwar das Setzen von Marktständen entlang einer Straße, genau so viele, wie man Aktionen gewählt hat. Die zweite Möglichkeit stellt das Ziehen von Kunden (graue Gesellen oder rosa Bürger) aus dem Beutel dar. Genau so viele Kunden, wie man Aktionen gewählt hat. Man kann beide Möglichkeiten auch mischen, also beispielsweise bei gewähltem Vierer-Aktionsmarker drei Marktstände setzen und einen Kunden ziehen.

Marktstände werden immer von einem Ende der Straße aus gesetzt und nur an den Straßen, die an das Viertel mit dem Bobby grenzen. Den Bobby kann man bewegen, klar. Jeder, wenn er dran ist, so weit wie man möchte. Und es kostet nicht mal eine Aktion. Toll. Aber es kostet Punkte. Die bekommen unter Umständen, je nach Stand-Mehrheit in der zu überquerenden Straße auch noch die Mitspieler. Und dann ggf. auch noch mehrmals! Mist. Aber es kann sich lohnen, wenn man dafür seine Marktstände lukrativer positionieren und mehr Punkte bekommen kann.
Die gibt es immer dann, wenn durch Platzieren von Kunden auf einem der elf Plätze des Distrikts eine voll bebaute Straße rechts und links bzw. oben und unten durch zwei Kunden flankiert wird. Dabei geben Bürger mehr Geld aus/mehr Punkte als Gesellen und der Lord noch einmal mehr. Letzteren kann man aber nicht ziehen. Er kommt automatisch ins Spiel, falls alle zehn Kunden aus dem Beutel gezogen wurden und landet auf dem letzten freien Platz. (Diesen Platz sollen doch schon mal geschickte Spieler durch vorzeitiges und pfiffiges Platzieren der anderen Kunden absichtlich frei gehalten haben, und zufälligerweise zweigten von dem Platz auch noch etliche ihrer eigenen Marktstände ab). Nicht selten ist aber das Spiel schon vorher zuende.
Eine weitere Methode der Punktgewinne ist das Einsetzen der Aktionsmarker Zwei und Vier (gekennzeichnet durch ein kleines Multiplikator-Zeichen) für eine Distrikt-Wertung. Dabei wird der (aktive!) Aktionsmarker in den Distrikt gelegt und bringt dann nur für den einsetzenden Spieler Punkte. Der bekommt dann einen Ersatzmarker vom Stapel (mit unterschiedlichem, abnehmendem Aktionswert).

Hat man seine Aktionen getätigt, kommt der Nächste an die Reihe. Ist man wieder dran, hat man jetzt nur noch die Auswahl aus zwei Aktionsmarkern. Erst wenn beim dritten Mal auch der letzte Aktionsmarker benutzt und umgedreht wurde, kann man alle wieder auf die aktive Seite zurück drehen.
Dieses Prinzip nötigt einem ein paar strategische Entscheidungen ab, denn einerseits kann man bspw. mit einem Vierer-Aktionsmarker vier Marktstände setzen oder vier Kunden ziehen, andererseits kann man einen bereits benutzten, inaktiven Vierer-Aktionsmarker nicht für eine Distriktwertung benutzen. Und da jeder Distrikt nur einmal gewertet werden kann, ist es vielleicht schon zu spät, wenn man seinen Marker endlich wieder auf die aktive Seite drehen kann. Dabei nehmen die strategischen Überlegungen aber nie Überhand. Portobello Market ist ein recht schnelles Spiel.

Schön ist dabei, dass es Vielspieler nicht unterfordert und Neueinsteiger nicht überfordert. Es fließt einfach und ist dabei perfekt geeignet als Einsteiger- oder Absacker-Spiel an Spieleabenden, an denen man auch Schwergewichte spielt. Portobello Market ist nicht nur optisch schön sondern auch spielerisch klasse. Schade, dass es hierzulande so unbekannt ist. In Schweden war es dagegen in der Auswahlliste zum Spiel des Jahres.

Spieltyp:  Strategie
Spielart:  Brettspiel
Spielmechanismus:  Setzen von Spielsteinen, Bilden von Ketten
Glückskomponente: mittel
Spielerzahl:  2-4
Spieldauer:  25 - 40 Minuten
Alterseignung:  ab 12 Jahren
Spielereignung:  für alle, für Ungeduldige
Thema:  Touristen Markt in London
Format:  Standard Euro Box, rechteckig
Verlag:  Schmidt Spiele
Autor:  Thomas Odenhoven
Illustrator:  Michael Menzel
« Letzte Änderung: 03. März 2016, 00:45:26 von Ebi »


Offline Storch

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Re: Portobello Market
« Antwort #1 am: 03. März 2016, 20:35:04 »
Danke für die ausführliche Besprechung! Klingt interessant.
Ich glaube, ich hatte es sogar schonmal in den Händen, aber das Thema sprach mich da nicht an. Die kurze Spieldauer macht  es definitv interessant. Wobei mich wirklich erstaunt, dass die Spielzeit durch längere Vorausplanungen nicht länger ist.
Andere versuchen das Kind in sich zu unterdrücken. Ich habe meinem ein Fahrrad gekauft.

Offline Ebi

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Re: Portobello Market
« Antwort #2 am: 04. März 2016, 11:56:08 »
Man kann die Züge der anderen nicht verlässlich genug vorhersagen, als dass sich ZU viel Grübeln lohnen würde.
Es gibt sicher die eine oder andere gute Strategie, die eine Wahrscheinlichkeit hat, besser zu funktionieren als blindes Zufallsspiel, aber die hat noch keiner von uns gefunden bzw. alle ein bisschen davon sowieso schon intuitiv angewandt. Unsere Mitspielerin Kathrin hat zwar zwei Mal hintereinander gewonnen, aber das basierte auf unterschiedlichen gegnerischen Zügen oder Fehlern. Und ich war in fünf Spielen zweimal Zweiter, zweimal Letzter und einmal Dritter. Und so völlig unbedarft bin ich ja strategisch nicht.

Mit einem ausgesprochenen Grübler würde ich es vielleicht trotzdem nicht spielen, denn seit Silvester 2015/2016 weiß ich, dass die auch grübeln, wo's nix zu grübeln gibt. Mit unseren anderen Spielern lief es aber auch zu viert immer in maximal 45 Minuten ab. Meist waren es eher 35. Zu dritt war es kürzer und zu zweit haben wir es noch nicht getestet.
« Letzte Änderung: 04. März 2016, 13:53:01 von Ebi »


Offline Ebi

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Re: Portobello Market
« Antwort #3 am: 04. März 2016, 13:59:26 »
Wo hattest Du es denn in der Hand gehabt? Scheint nicht mehr so leicht zu bekommen zu sein. Fünf Stück gibt es noch bei Amazon und seinen angeschlossenen Händlern und ich habe das letzte Exemplar bei Brettspieleversand.de bekommen.

Ich bin jedenfalls froh, es in meiner Sammlung zu haben, denn es ist ein ideales Absacker-Spiel (neben meinen Würfel Klassikern Quix und Papua).
« Letzte Änderung: 04. März 2016, 15:31:12 von Ebi »


Offline Storch

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Re: Portobello Market
« Antwort #4 am: 10. März 2016, 21:47:38 »
Total trivial hier bei Müller, unserem Kaufhaus in der Innenstadt. Kann aber auch schon ein paar Jahre her sein. Schmidt Spiele ist ja ein größerer Verlag, und der Müller hat schon ein recht großes Erwachsenen-Spiele-Regal.
Andere versuchen das Kind in sich zu unterdrücken. Ich habe meinem ein Fahrrad gekauft.

 

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